Entzündung

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Ent|zün|dung [ɛnt'ts̮ʏndʊŋ], die; -, -en:
das Sichentzünden einer bestimmten Körperstelle (als Reaktion auf einen schädigenden Reiz):
sie hat eine akute Entzündung der Nebenhöhlen; die Entzündung ist chronisch geworden.
Zus.: Bindehautentzündung, Blasenentzündung, Blinddarmentzündung, Lungenentzündung, Mandelentzündung, Mittelohrentzündung, Nebenhöhlenentzündung, Zahnfleischentzündung.

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Ent|zụ̈n|dung 〈f. 20
I 〈unz.〉 das Entzünden (von Feuer)
II 〈zählb.〉 vom Körper zur Abwehr durch Krankheitserreger verursachter, durch chemische, physikalische u. a. Schädigungen ausgelöster Vorgang an den Körpergeweben, wobei aus den Gefäßen Blutflüssigkeit u. später weiße Blutzellen austreten

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Ent|zụ̈n|dung:
1) in der Chemie eine mit der Entwicklung von Licht ( Flammen) u. Wärme beginnende u./od. als Verpuffung ablaufende Reaktion brennbarer Stoffe, die oberhalb der Entzündungstemperatur ( Zündtemperatur) von selbst eintreten kann (Selbstentzündung) oder durch eine Zündquelle eingeleitet wird ( entzündlich, vgl. Entflammung);
2) in der Med. eine durch Bakterien, Viren, Allergene, Toxine, physikal., chem. oder mechanische Reize ausgelöste lokal begrenzte Abwehrreaktion des Organismus.

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Ent|zụ̈n|dung , die; -, -en:
1. das Sichentzünden einer Körperstelle als Reaktion auf einen schädigenden Reiz (z. B. eine Infektion):
eine chronische, fiebrige E.;
eine E. der Luftwege.
2.
a) das Entzünden (1 a);
b) das ↑ Sichentzünden (1 b).

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Entzündung,
 
1) Chemie: der Beginn einer Verbrennung oder einer chemischen Reaktion, die freiwillig und lebhaft unter Wärme- und Lichtentwicklung abläuft; diese setzt ein, sobald das reagierende Stoffgemisch auf eine bestimmte Temperatur, die Entzündungstemperatur, gebracht worden ist. Bei flüssigen Brennstoffen, Schmierölen u. Ä. unterscheidet man zwischen dem Flammpunkt, bei dem die daraus entwickelten brennbaren Dämpfe sich entzünden lassen, und dem Brennpunkt, bei dem die Flüssigkeit selbst weiterbrennt.
 
 2) Medizin: Inflammatio, unspezifische, örtliche Abwehrreaktion des lebenden Organismus auf einen schädigenden Reiz in Form von Veränderungen des Gefäß-Bindegewebs-Apparates. Die medizinische Bezeichnung für Entzündungen besteht meist aus dem griechischen Wort für das betroffene Organ mit der angefügten Endung »-itis« (z. B. Gastritis, Bronchitis).
 
Die Ursachen von Entzündungen liegen meist im Eindringen von Krankheitserregern, Parasiten, Giften (z. B. durch Insektenstiche) und Allergenen, auch von Fremdkörpern; weitere Auslöser sind physikalische Einwirkungen (ionisierende u. a. Strahlen, Hitze, Kälte), chemische Substanzen (Säuren, Laugen) und mechanische Reize (Reibung, Druck), aber auch endogene Einflüsse wie krankhafte Stoffwechselprodukte, abgestoßene Gewebsteile, bösartige Geschwülste. Von abakteriellen Entzündungen oder aseptischen Entzündungen spricht man, wenn keine pathogenen Keime beteiligt sind.
 
Bei der akuten Entzündung kommt es unmittelbar auf den auslösenden Reiz zu einer durch Adrenalinausschüttung bewirkten kurzzeitigen Verengung der Arteriolen. Der weitere Ablauf ist durch die Kardinalsymptome der Entzündung gekennzeichnet: Rötung (Rubor), Erwärmung (Calor), Schwellung (Tumor) und Schmerz (Dolor). Ursache für die Rötung und Erwärmung ist eine anschließend unter dem Einfluss von Mediatorsubstanzen wie Histamin ausgelöste Gefäßerweiterung mit Beschleunigung des Blutstroms um den Entzündungsherd herum (entzündliche Hyperämie) mit örtlicher Stoffwechselsteigerung. Infolge des erhöhten Kapillardrucks tritt Plasmaflüssigkeit durch die durchlässig gewordene Wand der Haargefäße in die Zwischenräume ein und sammelt sich als Exsudat im Gewebe, wodurch es zu Schwellung und Druckschmerz auf die Nerven kommt. Die Plasmaflüssigkeit enthält antibakteriell wirksame Bestandteile, bewirkt eine Verdünnung der schädlichen Stoffe und erleichtert den Austritt von Abwehrstoffen. Durch die innere Reibung des nunmehr zellreicheren Blutes kommt es zu einer Verlangsamung des Blutstroms und einer passiven Stauung (Stase) mit der Folge einer Absperrung des Entzündungsherdes und der Erreger, die bis zur partiellen Gewebsnekrose führen kann. Einen wesentlichen Abwehrmechanismus stellt in diesem Zusammenhang die Durchwanderung (Diapedese) weißer Blutkörperchen (Granulozyten) dar, die durch Phagozytose Zerfallsprodukte des Gewebes und Bakterien unschädlich machen. Auch Lymphozyten und Fresszellen (Makrophagen) sammeln sich am Ort der Entzündung; es kann zur lokalen Antikörperbildung durch Plasmazellen kommen. Das durch zelluläre Bestandteile angereicherte Exsudat wird als Infiltrat bezeichnet.
 
Die Einteilung der akuten Entzündung richtet sich nach Art und Menge des Exsudats. Bei der serösen Entzündung überwiegt der Austritt albuminreicher Plasmaflüssigkeit, die an den Schleimhäuten mit Schleim vermischt ist (katarrhalische Entzündung); in Gelenken, Schleimbeuteln und den großen Körperhöhlen bezeichnet man sie als serösen Erguss. Die fibrinöse Entzündung ist gekennzeichnet durch Gerinnung des im Plasma gelösten Fibrinogens zu Fibrin, das zur Bildung eines Belags führt, auf Schleimhäuten z. B. bei Diphtherie (kruppöse Pseudomembran) und Lungenentzündung, auch in Gelenken. Die eitrige Entzündung ist durch einen hohen Anteil an weißen Blutkörperchen im Exsudat charakterisiert, die unter Zerfall und Freisetzung von Enzymen zur Einschmelzung von Eitererregern und Fremdkörpern und Eiterbildung führen. Der Eiter kann auf Schleimhäuten direkt abfließen (z. B. bei eitriger Mandelentzündung), führt bei Ansammlung in Geweben zum Abszess, bei Ausbreitung durch infiltrierendes Eindringen in das umliegende Gewebe zur Phlegmone und bei Ansammlung in natürlichen Körperhöhlen oder Hohlorganen zum Empyem. Bei der nekrotisierenden Entzündung kommt es durch örtlicher Gewebsschädigung zu starkem Gewebszerfall (z. B. bei Rachendiphtherie), auch verbunden mit nachfolgender übel riechender, »jauchiger« bakterieller Zersetzung (gangräneszierende Entzündung). Die hämorrhagische Entzündung weist ein stark mit Blut durchsetztes Exsudat auf (z. B. bei schweren Schleimhautentzündungen, in der Umgebung von Krebsgeschwülsten).
 
Der Verlauf einer Entzündung hängt wesentlich von der Art, Stärke und Dauer des Reizes und dem Erfolg der Abwehrreaktionen ab. Bei der sich allmählich entwickelnden chronischen Entzündung steht die Zellneubildung (produktive oder proliferative Entzündung) im Vordergrund, die zur Entstehung von Granulationsgewebe und von Gewebsveränderungen führt, deren Form kennzeichnend für einzelne Erreger ist. Das durch Reizschädigung und Entzündungsvorgänge verloren gegangene Gewebe wird zum Teil durch Neubildung von Zellen ersetzt; bei größeren Gewebsverlusten entstehen Narben.
 
Die Behandlung von Entzündungen richtet sich nach den Ursachen und besteht grundsätzlich in Ruhigstellung, bei Eiterung in chirurgischer Drainage oder Entfernung sowie Anwendung von Antibiotika und Chemotherapeutika, gegebenenfalls von entzündungshemmenden Mitteln.
 
 
Die vier Kardinalsymptome der Entzündung wurden schon von dem römischen Enzyklopädisten Aulus Cornelius Celsus beschrieben; Galen unterschied mehrere Formen und Verläufe und hob die Störung der Funktion des entzündeten Körperteils (Functio laesa) als weiteres Kennzeichen hervor. Die deutsche Bezeichnung Entzündung wurde seit Ende des 15. Jahrhunderts medizinischer Terminus und orientiert sich ebenso wie die lateinische an dem Symptom der Hitze. Die Basis für die moderne pathologisch-anatomisch begründete Lehre von der Entzündung schuf im 18. Jahrhundert J. Hunter. Wesentliche Erkenntnisse erbrachten im 19. Jahrhundert verbesserte mikroskopische und tierexperimentelle Methoden, v. a. durch Entdeckung der Diapedese und der Phagozytose.
 
Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:
 
Entzündung: Entstehung und Ursachen
 
Blutgerinnung: Wundverschluss und Wundheilung
 

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Ent|zụ̈n|dung, die; -, -en: 1. das Sichentzünden einer Körperstelle als Reaktion auf einen schädigenden Reiz (z. B. eine Infektion): eine chronische, fiebrige E.; eine E. der Luftwege. 2. a) das Entzünden (1 a); b) das Sichentzünden (1 b).

Universal-Lexikon. 2012.

Synonyme:

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